Diözesan-Caritasverband Görlitz, 25.07.2014

"Deine Stimme zählt - Demokratie ist für alle da!"

„Deine Stimme zählt - Demokratie ist für alle da!“ - So lautete das Motto einer Projektwoche Anfang Juli für die Klassenstufe 10 der Oberschule „Peitzer Land“, welche im Rahmen des Bundesprogramms „Toleranz fördern - Kompetenz stärken“ mit Mitteln aus dem Lokalen Aktionsplan (LAP) gefördert und von der Schulsozialarbeiterin Manuela Wünsche in Zusammenarbeit mit der RAA Brandenburg (Verein Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie) sowie dem Cari-Treff intensiv vorbereitet und durchgeführt wurde. Unterstützung gab es zudem vom Amt Peitz durch Dr. Elke Seidel, dem Kreisjugendring, den Pädagogen der Oberschule und dem 1. Stellvertreter des Bürgermeisters der Stadt Peitz, Hendrik Schulz.

Diese Projektwoche war thematisch aufeinander aufgebaut und fand an den verschiedenen Orten in Peitz, so zum Beispiel in der „Oase 99“, dem Rathaus oder der Oberschule, statt. Ziel war es, den Teilnehmern mittels vielfältiger Methoden wie Einzel- und Gruppenarbeit, beim Rollenspiel oder kreativem Gestalten Themen wie Demokratie, Politik und Wahlen einmal anders näher zu bringen.

Am ersten Tag ging es zuerst darum, was Demokratie und Politik heute kennzeichnet, ob und wie jeder davon persönlich berührt wird, welche politischen Systeme bekannt sind und wie wir jetzt leben. Obwohl die Teilnehmerzahl überraschend hoch war, fiel der Einstieg den Schülern spürbar schwer. Es mangelte einfach an Interesse und der Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit. Diese Situation veränderte sich jedoch im Laufe der Woche positiv.

Bereits am zweiten Tag konnte Hendrik Schulz, welcher dankenswerterweise unterstützend tätig war, folgendes Resümee ziehen:
„Im Zuge der Projektwoche der Oberschule Peitzer Land fand am 01. Juli ein Aktionstag der 10. Klassen im Rathaus statt. Ich wurde als Kommunalpolitiker gebeten, diesen Tag zu begleiten und mit meinem Fachwissen die Schüler zu unterstützen. Es fing damit an, dass die Schüler sich mit Werten und Grundbedürfnissen auseinandersetzten und sie nach ihren Vorstellungen nach Wichtigkeit zu ordnen hatten. Es wurden von den verschiedenen Gruppen ganz unterschiedliche Sachen als wichtig empfunden, bei den einen war es Geld und bei anderen das Recht auf Bildung. Ich war sehr überrascht, wie intensiv einige Gruppen sich mit diesem Thema auseinandersetzten und zu meiner Verwunderung lag die Wichtigkeit moderner Medien ziemlich weit hinten. Den Hauptteil des Tages bildete ein Nachspielen der Stadtverordnetenversammlung. Nach dem Aufstellen der Stadtverordneten, eines Bürgermeisters und einer Kämmerin wurde der Rest gebeten, sich in Gruppen aufzuteilen und dann verschiedene Interessengruppen zu repräsentieren. Neben dem Sportverein gab es noch die Senioren, die Jugend/Jugendinitiative, die Azubis und die Jugendfeuerwehr. Die Stadt sollte 30.000 Euro bekommen und die Interessengemeinschaften sollten um Anteile von diesem Geld kämpfen und durch Pläne sowie stichhaltige Argumente überzeugen. Die Stadtverordneten hatten dann abschließend mit dem Bürgermeister zu entscheiden, wer Geld bekommt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wuchsen die Jugendlichen über sich hinaus. Es wurden sehr viele Ideen und Argumente gesammelt, um zu überzeugen, und es brach ein rhetorischer Kampf um das Geld aus. Bei der Vorstellung der Pläne wurde jede Gruppe von den „Stadtverordneten“ mit kritischen Fragen bombardiert und es entwickelte sich eine wirklich interessante Diskussion, welche streckenweise dem Original sehr nahe kam. Die „Stadtverordneten“ nahmen ihre Aufgabe sehr ernst und verteilten das Geld gerecht.

Abschließend kann ich sagen, dass der Tag sehr interessant war und ich sehr stolz auf die Jugendlichen bin. Ich hoffe, diese Aktionswoche bringt den Schülern die Werte der Demokratie näher und bereitet sie gut für ihre große Verantwortung, welche sie als neue Wähler haben, vor. Ich würde mir natürlich auch wünschen, dass einige in Zukunft den Weg in die Politik finden und sich dafür begeistern können, die Geschicke unserer schönen Stadt zu leiten.“ (Text Hendrik Schulz)

Zudem hatten die Schüler noch Gelegenheit, direkt mit dem neu gewählten Bürgermeister unserer Stadt, Jörg Krakow, ins Gespräch zu kommen.

Am Mittwoch stand dann das Thema Wahlen auf unserem Programm, von besonderer Bedeutung für alle, da die Mehrzahl der Projektteilnehmer zur Landtagswahl im Herbst wahlberechtigt sein wird. Recht interessiert verfolgten alle die ansprechend dargebrachten Informationen zum Wahlablauf im Amt Peitz von Dr. Elke Seidel. Nun endlich kam der praktische Teil, die Vorbereitung und Durchführung der Vorab-Juniorwahl für alle Schüler der Oberschule. Am Beispiel der Europawahlen wurden Wahlprogramme der einzelnen Parteien recherchiert, entsprechende Plakate dazu gestaltet, Wahlurnen gebaut und auch der berufene Wahlausschuss nahm seine Arbeit auf. So mussten beispielsweise alle Schüler über die bevorstehende Wahl informiert werden und es galt, den Wahltag selbst vorzubereiten.

Am vorletzten Projekttag hatten dann alle Schüler der Oberschule die Möglichkeit, probeweise wählen zu gehen. Der Wahlausschuss konnte eine gute Wahlbeteiligung feststellen und auch das Ergebnis wurde noch am gleichen Tag veröffentlicht.

Zum Abschluss dieser Demokratiewoche fuhren alle gemeinsam nach Potsdam, um bei einer Führung im neuerbauten Landtag direkt vor Ort zu erfahren, wie und wo die Landtagsabgeordneten tätig sind, welche dann im Herbst erneut, auch von ihnen, gewählt werden können. Von besonderem Interesse war natürlich die Besichtigung des Plenarsaales. Hier konnten die Jugendlichen auch mal selbst den einen oder anderen Platz der Landtagsabgeordneten ausprobieren. Nach dieser doch recht intensiven Themenwoche, so ein Fazit, plant die Mehrzahl der Schüler, von ihrem Wahlrecht ab 16 Jahre im Land Brandenburg Gebrauch zu machen, demzufolge selbst wählen zu gehen.

Herzlichen Dank nochmal an alle Beteiligten und Organisatoren, die diese Themenwoche ermöglichten. Im Rahmen des bereits erwähnten Bundesprogrammes finden im zweiten Halbjahr weitere Veranstaltungen, so zum Beispiel mit der örtlichen Grundschule sowie dem Jugendtreff „Die 111“ aus Cottbus statt.

Nun noch ein Hinweis in eigener Sache. Der Cari-Treff unterbreitet allen daheimgebliebenen Ferienkindern nach unserer traditionellen Sommerpause vom 04. bis 15. August in der letzten Ferienwoche noch einige Angebote gegen mögliche Langeweile. Für einzelne Tage sind ab dem 18. August noch kurzfristige Anmeldungen direkt im Treff möglich.

Das Team des Cari-Treff

 

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