Diözesan-Caritasverband Görlitz, 04.05.2017

Kann es wirklich jeden treffen?

Am 28. April gingen Suchttherapeut Alexander Lattig und zwölf Zuhörer aus dem Fachpublikum dieser Frage nach: Alkohol und Crystal - was macht das mit den „Konsumenten“, wie es so nüchtern heißt. Der Vormittag war der Alltagsdroge Alkohol gewidmet: Tippfragen als Einstieg zur Klärung des vorhandenen Grundlagenwissens. Ein Film verdeutlichte den schleichenden Prozess der Entstehung einer Sucht zu einer Einbahnstraße, aus der der Betroffene kaum mehr herausfindet: Das Gleis der suchtfreien Strecke ist nicht mehr erkennbar und später ganz verschwunden. Am Beispiel einer Eisenbahn, die mit dem Alkoholkonsum einen Umweg durch einen Tunnel nimmt, wird die „Karriere“ vom Probieren über das Gruppenereignis Feiern in die Sackgasse Sucht bildlich im Kurzfilm veranschaulicht. Deutlich wurde, dass nicht eine Ursache sondern mehrere zusammentreffende eine Suchterkrankung auslösen können. Sowohl gesellschaftliche wie medizinische Faktoren können hierfür identifiziert werden.

Aber auch die illegale Droge Crystal beschäftigt die Teilnehmer - der schleichende Verbreitungsweg von der deutsch-tschechischen Grenze über die sächsisch-brandenburgische nach Südbrandenburg. Das hohe Aggressionspotential - schnelle Abhängigkeit nach wenigen aufeinanderfolgenden Lines (das weiße, kristalline Pulver wird meist in einer Linie aufgeschnupft) und die verheerenden Hirnschädigungen machen das Rauschgift, das eine lange Tradition hat, so gefährlich. Ohne das schon zum Beginn des letzten Weltkrieges bekannte Medikament, das unter dem Namen Pervitin in der Gesellschaft verankert war und den Wehrmachtssoldaten als „Panzerschokolade“ verabreicht wurde, hätte es den so genannten Blitzkrieg - die Besetzung Polens binnen weniger Tage - so schnell wohl nicht gegeben. Die Droge ermöglichte Fußmärsche von 60 km, die unter menschlich normalen Dimensionen auch ohne Gepäck unmöglich wären. Dem anfänglichen Hochgefühl, alles schaffen zu können, folgt eine tiefe Erschöpfung, die mit Schlaf nicht einfach schnell überwunden werden kann. Hierfür brauchen Abhängige Cannabis, um wieder „runter“ zu kommen und den erholsamen Schlaf finden zu können. Oft am Wochenende wiederholt sich so manche Episode wieder. Aber auch zur Leistungssteigerung im Beruf oder zur Bewältigung des Haushalts wird Crystal konsumiert.

Als Alternative gegen Überforderung in der Alltagsarbeit bietet der Caritasverband der Diözese Görlitz seit März 2017 das HOT - HaushaltsOrganisationsTraining© zur Unterstützung an.

Weitere Informationen erhalten Sie unter http://www.dicvgoerlitz.caritas.de/93467.html .

 

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