Diözesan-Caritasverband Görlitz, 03.07.2017

Inklusive Bildung - Eine Leit(d?)idee für katholische Schulen

70 Fachkräfte, überwiegend Lehrerinnen und Lehrer, trafen sich am 29. Juni im Refektorium der Klosteranlage Neuzelle zum fachlichen Austausch. Neben theoretischen Fragestellungen zum Thema Inklusion standen vor allem auch die praktischen Erfahrungen der katholischen „Schule für alle“ Neuzelle während des sechsjährigen Schulaufbaus im Mittelpunkt.

Nach einem musikalischen Einstieg des Schulchors der katholischen „Schule für alle“ Neuzelle, Begrüßungsworten des Ortsbürgermeisters Dietmar Baesler und des Landesbehindertenbeauftragten Jürgen Dusel, referierte Dr. Dörte Fiedler, die Schulleiterin der katholischen „Schule für alle“ Neuzelle. Sie sprach über die Erfahrungen in den zurückliegenden Jahren. Vieles von der konzeptionellen Vision konnte dank engagierter Mitarbeiter und Eltern in der Praxis umgesetzt werden. Gute Rahmenbedingungen im Interesse für alle Kinder zu erhalten, ist aber immer wieder neu eine Herausforderung.

Anschließend berichtete Dr. Franz Fink vom Deutschen Caritasverband über die Entwicklungen schulischer Inklusion innerhalb der katholischen Kirche. Aus seiner Sicht behindern strukturelle Probleme ein notwendiges Voranschreiten und er appelliert an die Entscheidungsträger, sich dem Thema mehr zu widmen. Seiner Meinung nach trägt gerade die katholische Kirche hier eine Verantwortung, der sie aktuell nicht in ausreichendem Maße nachkommt.

Aber warum geht der Prozess der Inklusion in Deutschland insgesamt so langsam voran? Dr. Rainer Benkmann, Professor an der Universität Erfurt, räumte in seiner Darstellung aktueller theoretischer Befunde zur schulischen Inklusion mit konträren Vorurteilen auf. Zahlreiche Studien belegen inzwischen, dass sowohl die sozialen Fähigkeiten als auch kognitive Leistungsergebnisse im gemeinsamen Unterricht Zuwächse erfahren. Bestätigt wird dies von den Evaluationsergebnissen der katholischen „Schule für alle“ Neuzelle, die Dr. Cornelia Hilbrich und Dr. Karl-Heinz Walter in den vergangenen sechs Jahren zusammengetragen haben. Sie kommen zusammenfassend anhand soziometrischer Analysen, Leistungstests, Befragungen und Unterrichtshospitationen zu dem Schluss, dass sich an der Schule ein positives Klassen- und Schulklima entwickelt hat, angstfreies Lernen möglich ist, die Leistungsergebnisse der Schülerinnen und Schüler im beziehungsweise über dem Bundesdurchschnitt liegen, die Kinder sich mit der Schule positiv identifizieren, die dort tätigen Lehrer von dem Konzept überzeugt sind und Eltern der Schule eine hohe Wertschätzung entgegenbringen. Darüber hinaus skizzieren sie anhand eines Fallbeispiels konkrete Entwicklungsmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler an dieser Schule.

Verdeutlicht wurde dies noch durch einen Videobeitrag, in dem Kinder und Lehrer der katholischen „Schule für alle“ Neuzelle selbst zu Wort kamen.

Zum Abschluss sprach Bernhard Mones, Caritasdirektor im Bistum Görlitz, und dankte für die bisherige Arbeit.

Gefördert wurde die Veranstaltung im Rahmen der Projekts „Sawubona – Ich sehe dich!“ durch Aktion Mensch.

Weitere Infos zu diesen Themen: